Menschlichkeit,

was ist Menschlichkeit? Wann wird menschliches, v. a. Verhalten um das Suffix „-keit“ erweitert? Ab welchem Moment beschreiben wir menschliches Verhalten nicht mehr neutral, nicht wertend, sondern heben die Begriffsstruktur auf eine wertende, beurteilende Ebene, ab wann beurteilen wir menschliches Verhalten als Verhalten im Sinne von Menschlichkeit und damit als vorbildlich, ja normativ obligatorisch?

Welches Moment erfasst dieses Suffix?
Was ist menschlich? „Human is what humans do“.

Vor einem nur rudimentären sprachwissenschaftlichen Hintergrund lässt sich die Begriffserweiterung um das Suffix „-keit“ als eine Modulation von einer adjektivischen in eine subjektivische Struktur interpretieren:

– fröhlich, die Fröhlichkeit
– einsam, die Einsamkeit

D.h. die adjektivische, beschreibende, einem Nomen Eigenschaft zuschreibende Begriffsstruktur wird moduliert in eine subjektivische Struktur. Aus einem Adjektiv, das ob seines Naturells nur als Beiwerk fungiert wird ein Subjekt, ein neues Zentrum.

Die „Eigenschaft“ die über das Adjektiv nur Beiwerk zum Subjekt war, wird nun selber Subjekt, ein neues begriffliches Universum:

Der fröhliche Hans.              →    Fröhlichkeit ist wichtig.
Der einsame Friedrich.       →   Einsamkeit macht krank.
menschliches Versagen   →    Menschlichkeit ist angebracht.

Und hier wird es interessant: Die Eigenschaft „fröhlich“ würde wohl jeder spontan einer positiven Konnotation zuordnen, die Eigenschaft „einsam“ eher einer negativen. Aber welche Konnotation trägt die Eigenschaft „menschlich“?

Irren ist menschlich, das Unglück geschah aufgrund menschlichen Versagens, menschliche Gefühle, menschliches Verhalten…

Im Adjektiv trägt die Eigenschaft menschlich viele, aber keine eindeutigen Konnotationen. Moduliert über das Suffix „-keit“ zum Subjekt wird diese Eigenschaft plötzlich als neues begriffliches Universum zum Inbegriff nicht nur positiven, sondern moralischen Idealverhaltens. Heißt das, dass der zentrale Punkt an der Eigenschaft „menschlich“ moralisches, ja moralisches Idealverhalten ist, oder anders ausgedrückt moralisches Verhalten den Menschen zum Menschen macht?

Das ausschließliche Absolutum, das im „Göttlichen“ sowohl über das Adjektiv als auch über das Subjekt zum Ausdruck kommt ist im „Menschlichen“ veranlagt.
Die menschliche Unvollkommenheit, die im Adjektiv „menschlich“ immer mitschwingt, ist im Subjekt „Menschlichkeit“ nicht mehr zu finden, wird von der Absolutheit des Ideals gänzlich verdrängt.
Was den Menschen vom Göttlichen unterscheidet, ist die menschliche Unvollkommenheit. Das entscheidende Moment, das den Menschen zum Menschen macht ist seine göttliche Anlage zur Fähigkeit moralischen Idealverhaltens.
Dieses Moment, und diese These soll hier aufgestellt werden, erfasst das Suffix „-keit“ und vielleicht auch die Romantik, dass die göttliche Anlage im Menschen stärker ist als seine Unvollkommenheit, welche im Absolutum der Menschlichkeit keinen Platz mehr findet.

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